LARP

Geschichten und Erlebnisse meines LARP Charakters
Braktar Sohn des Rulkar

Setzte dich zu mir ins Lagerfeuer und lausche meinen Worten Reisender.


Du musst wissen Reisender, das was hier geschrieben steht ist nicht der richtige Zeitfaden, doch es die richtige Reihenfolge wie ich es erzählen will.

 

Dieses ist die Axtweihe die ich im ersten 1 Jahr des Kupfernen Drachen auf dem Fest der Drachen sprach!

Predigt und Weihe zur Axtweihe und zur Weihe des Kraftplatzes

gesprochen von Braktar Sohn des Rulkar

im Namen des Roten Vaters

Hört mich, Rot-Lageristen.
Hört mich, Brüder und Schwestern des Roten Vaters.
Hört mich, Diener des Roten Vaters, Ahnen und Geister dieses Ortes.

Ich bin Braktar, Sohn des Rulkar,
gerufen unter das Auge des Roten Vaters,
um heute zu sprechen über Eisen, Feuer, Familie, Handwerk und Weihe.

Wir sind nicht hier, um bloß ein Werkzeug zu segnen.
Wir sind nicht hier, um nur einen Platz schön zu nennen.
Wir sind hier, weil Stahl einen Namen bekommen soll.
Weil ein Ort ein Herz bekommen soll.

 

Denn heute wird zweierlei geweiht:
diese Äxte – als Zeichen von Kraft, Pflicht und rotem Glauben.
Und dieser Kraftplatz – als Ort des Feuers, der Familie, des Handwerks, der Schwüre und der Prüfung.

 

Vom Roten Vater

Der Rote Vater ist kein Drachen der bequemen Worte.
Er ist der der über das Schlachtfeld wacht,
der über die Familie wacht und das Handwerk ehrt,
und über den Zorn des Blutes herscht,
in der Lüge verbrennt und Wahrheit bestehen muss.

Er fragt nicht:
„Was wolltest du tun?“
Er fragt:
„Was hast du getragen?“
„Was hast du geopfert?“
„Was hast du gehalten, als Feuer, Furcht und Schmerz an dir fraßen?“

Darum bringen wir ihm heute nicht leere Worte,
sondern Ehre, Tatkraft, unseren Willen, Schweiß und Eid.

Denn der Rote Vater ist nicht nur Herr der über das Schlachtfeld wacht.
Er ist auch Herr des Handwerks.
Denn jede Klinge, jeder Schild, jeder Nagel, jeder Kessel
geht durch Feuer und Hand, bevor er Bestand hat.
Und er ist Herr der Familie.
Denn was nützt Stärke, wenn sie nicht die schützt,
die am Feuer des eigenen Hauses sitzen?
Was nützt ein Eid, wenn er nicht auch für Blut, Sippe und Gemeinschaft getragen wird?

So gehören Schlachtfeld und Schmiede,
Feuerkreis und Herdfeuer,
Kampf und Familie
gleichermaßen in seine Hand.

 

Von den Äxten

Seht diese Äxte.

Sie sind nicht bloß Holz und Eisen.
Sie sind Werkzeug und Waffe,
Zeichen von Arbeit und Zeichen von Entscheidung.

Mit der Axt fällt man Bäume für den Herd.
Mit der Axt wird Holz gespalten für Feuer und Schutz.
Mit der Axt schafft die Hand Raum, wo der Weg versperrt ist.
Und wenn es sein muss, wird mit ihr auch verteidigt,
was dem Roten Vater heilig ist:
Lager, Familie, Glaube und Gemeinschaft.

Darum weihen wir diese Äxte nicht dem eitlen Ruhm
und nicht dem blinden Zorn.
Wir weihen sie dem roten Glauben,
dem Schutz des Lagers,
der Arbeit der Hände,
der Ehre der Ahnen
und der Stärke der Familie.

Mögen sie Holz spalten für Herd und Feuer.
Mögen sie den Arm des Trägers festigen.
Mögen sie daran erinnern,
dass Stärke nicht geboren wird,
sondern geschlagen, gehärtet und geprüft.

 

Von diesem Kraftplatz

Und nun zu diesem Ort.

Was ist eine geweihte Axt ohne einen geweihten Boden?
Was ist Feuer ohne Mitte?
Was ist Familie ohne Herd?
Was ist Glaube ohne einen Ort, an dem er gesprochen und getragen wird?

Darum weihen wir heute auch diesen Kraftplatz.
Er soll ein Ort des Roten Vaters sein.
Ein Ort der Roten Kirche.
Ein Ort, an dem Ahnen geehrt, Schwüre gesprochen und Opfer dargebracht werden.
Ein Ort, an dem Familien zusammenkommen,
an dem Rat gesprochen, Handwerk geehrt und Kraft gesammelt wird.

Denn auch das ist der Weg des Roten Vaters:
Nicht nur die Hand, die kämpft,
sondern auch die Hand, die baut.
Nicht nur der Krieger, der Blut vergießt,
sondern auch die Familie, die am Feuer zusammensteht.
Nicht nur die Prüfung im Kampf,
sondern auch die Pflicht, das Eigene zu tragen, zu schützen und weiterzugeben.

 

Anrufung und Weihe

Roter Vater, höre uns.
Herr des Schlachtfelds
Herr der Prüfung,
Herr von Kampf, Handwerk, Familie und Blut.

Blicke auf diese Äxte.
Wenn ihr Stahl das Feuer spiegelt,
dann sei es dein Auge.
Wenn sie Holz spalten,
dann stärke die Hand, die sie führt.
Wenn sie zum Schutz erhoben werden,
dann gib dem Arm Entschlossenheit und dem Herzen Klarheit.

Blicke auf diesen Platz.
Wenn hier Feuer brennt,
dann nähre es.
Wenn hier Familien zusammenkommen,
dann halte Gemeinschaft und Sippe fest zusammen.
Wenn hier Handwerk geschieht,
dann segne die arbeitenden Hände.
Wenn hier Schwüre gesprochen werden,
dann höre sie.
Wenn hier die Ahnen angerufen werden,
dann lass ihren Blick auf uns ruhen.

Im Namen des Roten Vaters weihe ich diese Äxte.
Dem klaren Schlag.
Der festen Hand.
Dem Schutz des Lagers.
Der Arbeit am Herd.
Der Ehre der Ahnen.
Und der Kraft der Familie.

Im Namen des Roten Vaters weihe ich diesen Kraftplatz.
Dem Feuer.
Den Ahnen.
Dem Handwerk.
Der Familie.
Den Schwüren.
Der Prüfung.
Und dem roten Glauben.

 

Schluss

Von heute an sei dies kein gewöhnlicher Ort mehr.
Und diese Äxte seien keine gewöhnlichen Werkzeuge mehr.

Möge hier Feuer brennen, das erinnert.
Möge hier Handwerk geschehen, das stärkt.
Möge hier Familie stehen, die trägt.
Möge hier Glaube gesprochen werden, der bindet.
Möge hier der Rote Vater gegenwärtig sein.

So spreche ich, Braktar Sohn des Rulkar,
vor Feuer und Eisen,
vor Ahnen und Lebenden,
vor dem Roten Lager und der Roten Kirche.

Diese Äxte sind geweiht.
Dieser Kraftplatz ist geweiht.
Die Ahnen sind gerufen.
Der Rote Vater ist angerufen.

Möge unser Wille hart sein wie Eisen.
Möge unser Glaube heiß sein wie Glut.
Möge unser Handwerk Bestand haben.
Möge unsere Familien zusammenstehen.
Möge unser Name dem Roten Vater Ehre machen.

Ehre dem Roten.

Die Flüsse färben sich rot.

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Nun kommt eine sehr Persönliche Geschichte werter Reisender, sie liegt schon sehr viele Jahre Zurück doch sie prägte mein Leben auch wenn es schon viele Winter her ist muss sie an den Feuern erzählt werden um nicht in Vergessenheit zu geraten. 

 

Viele Winter sind vergangen, seit jene Tage mein Herz brachen wie dünnes Eis unter den Stiefeln eines Kriegers.
Mein Bart ist grau geworden, meine Hände schwer vom Krieg und meine Seele voller Geister, die nachts zu mir sprechen.

Und doch gibt es eine Geschichte, die niemals in Vergessenheit geraten darf.
Nicht wegen Ruhm.
Nicht wegen Ehre.
Sondern, weil Schuld erinnert werden muss.

Darum schreibe ich diese Worte nieder.
Damit einst, wenn mein Name verweht ist wie Asche im Wind, irgendjemand versteht, weshalb meine Augen oft leer in das Feuer starren.

Ich traf sie auf einer Reise durch das westliche Grenzland.
Dort, wo kalte Nebel über den Hügeln liegen und die Wälder alt genug sind, um sich an vergessene Götter zu erinnern.

Sie war schöner als der Mond einer klaren Winternacht.
Nicht die zerbrechliche Schönheit höfischer Damen, die hinter Gold und Parfüm verborgen liegt.
Nein.

Ihre Schönheit war wild.
Wie Sturmwolken über den Bergen.
Wie ein Fluss nach der Schneeschmelze.
Wie Feuer, das außer Kontrolle geraten war.

Ihr Lachen ließ selbst alte Krieger lächeln.
Und ihre Augen… bei allen Ahnen… ihre Augen sahen durch Fleisch und Knochen direkt in mein Herz.

Wir liebten uns mit einer Leidenschaft, die ich zuvor nur aus Liedern kannte.
In jener Zeit glaubte ich, die Götter hätten mir endlich etwas anderes geschenkt als Krieg und Blut.

Dann schenkte sie mir einen Sohn.

Nur für kurze Zeit durfte ich glauben, glücklich zu sein.

Denn das Verderben kennt den Geruch von Freude.

In den dunklen Tagen des Herbstes kam die Seuche in ihr Land.
Menschen husteten schwarzes Blut.
Vieh verendete auf den Feldern.
Und mit den Kranken kamen die Diener des Verfalls.

Eines Nachts wurde sie genommen.

Kreaturen des Seuchengottes brachen aus dem Nebel hervor.
Aufgedunsene Dinge mit faulendem Fleisch und rostigen Klingen.
Sie entrissen mir mein Kind und verschleppten meine Geliebte in die Sümpfe des Verderbens.

Ich folgte ihnen.

Bei den Ahnen… ich folgte ihnen bis an Orte, die kein Sterblicher betreten sollte.

Ich kämpfte gegen wandelnde Leichen.
Gegen Fliegenschwärme groß wie Wölfe.
Gegen Krankheiten, die Haut und Verstand fraßen.

Und ich fand sie.

Gebrochen.
Geschwächt.
Aber lebend.

Unser Kind jedoch… unser Sohn… war verschwunden.

Ich suchte.
Wochenlang.
Monatelang.

Doch ich fand keine Spur.

Am Ende blieb mir nur sie.
Und so flohen wir gemeinsam aus diesem verfluchten Land.

Nach den Bräuchen ihres Volkes heirateten wir.
Vor Steinfeuern und schweigenden Ahnenstatuen schworen wir uns ewige Treue.

Ihr Vater, ein Baron von altem Blut, verachtete mich.
Für ihn war ich nichts weiter als ein wandernder Barbar mit Narben statt Manieren.

Er verstieß mich.
Nahm Titel und Reichtum zurück, die er seiner Tochter gegeben hatte.

Doch Gold bedeutete mir wenig.
Ich hatte sie zurückgewonnen.
Das genügte mir damals.

Aber die Vergangenheit fault nie wirklich fort.
Sie wartet nur geduldig im Schatten.

Viele Jahre später führte mich mein Weg erneut in jene Länder.

Schon bevor ich ihn sah, spürte ich etwas Falsches in der Luft.
Der Wind roch nach Krankheit.
Nach nassem Grab.
Nach Verwesung.

Dann hörte ich die Stimme.

„Papa.“

Noch heute verfolgt mich dieses Wort im Schlaf.

Aus dem Nebel rannte eine Kreatur auf mich zu.
Ein aufgedunsener Dämon aus faulendem Fleisch und verdrehten Knochen.
Seine Haut platzte vor Eiter.
Fliegen krochen aus seinem Leib.
Und doch…

…in seinen Augen erkannte ich etwas.

Etwas von ihr.
Etwas von mir.

Da verstand ich die Wahrheit.

Unser Sohn war nicht gestorben.
Er war genommen worden.
Verdorben.
Geformt von der fauligen Hand des Seuchengottes selbst.

Das Wesen schrie erneut nach mir.
Nicht wie ein Dämon.
Nicht wie ein Monster.

Wie ein verlorenes Kind.

Dann griff es an.

Was danach geschah, verschwimmt in meinem Geist wie Blut im Regen.

Wir kämpften zwischen toten Bäumen und stinkenden Sümpfen.
Seine Klauen zerrissen meinen Schild.
Sein Atem verbrannte meine Haut mit Krankheit.

Und dennoch kämpfte ich weiter.

Nicht gegen einen Dämon.

Sondern gegen meine eigene Schuld.

Denn ich hatte ihn in diese Welt gebracht.
Ich hatte ihn nicht beschützen können.
Ich hatte versagt.

Als meine Axt schließlich seinen Schädel spaltete, hörte ich kein Brüllen eines Monsters.

Ich hörte das Weinen eines Kindes.

Und mit ihm starb ein Teil von mir.

Der Name meiner Frau soll verborgen bleiben.
Nicht aus Scham.
Sondern aus Liebe.

Mögen diese Zeilen jedoch überdauern, wenn ich längst Staub bin.

Damit die Welt nicht vergisst, dass selbst Krieger, die Drachen erschlagen und Königreiche niederbrennen, an Dingen zerbrechen können, die kleiner sind als ein Kinderherz.

Ich bin Braktar, Sohn des Rulkar.

Und dies ist die Geschichte davon, wie ich meinen Sohn erschlug.

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Dieses ist eine Geschichte wie aus Fehlern Familie wird Reisender höre gut zu sie ist Warnung und Weisheit zu gleich!

Die Jahre lehren einen Schamanen viele Dinge.
Wie man die Stimmen der Ahnen deutet.
Wie man zwischen Wahrheit und Geistwandlung unterscheidet.
Wie man die Dunkelheit in den Herzen anderer erkennt.

Doch nichts bereitet einen Mann darauf vor, Verantwortung für jene zu tragen, die ihn eines Tages als Familie ansehen.

Nachdem ich meinen Sohn erschlagen hatte, wanderte ich lange allein durch Wälder, Berge und verlassene Pfade.
Zu lange.

Ich sprach mehr mit Geistern als mit Menschen.
Die Feuer meiner Rituale brannten heller als die Freude in meinem Herzen.
Und nachts lauschte ich oft dem Wind, in der Hoffnung, die Stimmen der Ahnen würden meine Schuld irgendwann forttragen.

In jener Zeit traf ich Feuerhand.

Ein törichter Junge.
Mutig.
Stolz.
Mit zu viel Herz und zu wenig Vorsicht.

Vielleicht erinnerte er mich daran, wie ich einst selbst gewesen war.

Also nahm ich ihn als Schüler auf.

Ich lehrte ihn die alten Zeichen.
Wie man Kräuter liest.
Wie man Geister besänftigt.
Wie man erkennt, wenn ein Ort von dunklen Mächten berührt wurde.

Doch kein Meister kann verhindern, dass ein Schüler irgendwann glaubt, er könne das Schicksal selbst herausfordern.

Es begann mit einem Versprechen.

Er versprach Freunden bei einem Ritual zu helfen welches sie gefunden haben, es zeigte sich das es aus verdorbenen Quellen, aus dem dunklen selbst entstand!

Ich spürte sofort den Gestank verdorbener Magie.

Doch Feuerhand…

Dieser Narr versprach ihnen Hilfe.

Noch heute höre ich seine Worte:
„Wenn niemand den Mut hat, es zu wagen, dann tun wir es.“

Wir hätten gehen sollen.

Die Ahnen mögen mir vergeben — wir hätten gehen sollen.

Doch ich war sein Lehrer.
Und Verantwortung endet nicht dort, wo Angst beginnt.

Also blieb ich.

Tief unter einem uralten Steinkreis bereiteten wir das Ritual vor.
Runen wurden mit Blut nachgezogen.
Tierknochen verbrannten im heiligen Feuer.
Der Rauch roch nach nassem Fell und altem Tod.

Ich leitete die Zeremonie.
Nicht weil ich daran glaubte — sondern weil ich hoffte, das Schlimmste verhindern zu können.

Doch manche Kräfte hören nicht auf Vernunft.

Als der Mond seinen höchsten Stand erreichte, begann der Wald zu beben.

Die Körper der beiden Freunde krümmten sich unter unmenschlichen Schreien.
Knochen brachen laut wie trockenes Holz.
Fell wuchs durch die Haut.
Klauen entstanden, wo einst Hände gewesen waren.

Blut und Geist verschmolzen zu etwas Neuem.

Nicht Mensch.
Nicht Tier.

Werwölfe.

Selbst die Ahnen schwiegen in jener Nacht.

Feuerhand hatte dieses zu verantworten, doch er konnte es nicht tragen. 

So trug ich es als sein Meister. 

Ich zeigte ihnen mein wahres ich, mein Wesen, mein Sein und so band ich sie an mich! 

Die beiden Kreaturen sahen mich an.

Nicht voller Hass.
Nicht voller Hunger.

Sondern wie verirrte Seelen, die Schutz suchten.

Und in diesem Augenblick verstand ich:
Das Ritual hatte nicht nur sie verändert.

Es hatte auch mich an sie gebunden.

Von jener Nacht an waren wir Familie.

Nicht durch Geburt.
Nicht durch Blut.

Sondern durch Verantwortung.

Und ich…

…ich lernte erneut, mein Herz zu öffnen.

Manchmal sitzen wir nachts gemeinsam am Feuer.
Dann sehe ich ihre goldenen Augen im Flammenschein leuchten.
Höre ihr Lachen zwischen den Bäumen.

Dann begreife ich, dass die Geister seltsame Wege gehen.

Denn aus Blut, Angst und Monstern entstand nicht nur ein Fluch.

Es entstand mein Rudel.

Sie sind meine Sorge.
Meine Verantwortung.
Meine Liebe.

Meine Familie.

Und solange Braktar, Sohn des Rulkar, die Stimmen der Ahnen noch hört, wird niemand meinem Rudel Leid zufügen.

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Hier Wanderer gehen wir an meinen Anfang zurück weit zurück also Lausche den Worten und verliere dich in der Zeit!

Ich wurde in den Wäldern von Balgurien geboren.
Dort, wo der Nebel zwischen den schwarzen Tannen hängt wie die Geister verstorbener Krieger.
Dort, wo der Wind die Namen der Ahnen flüstert und selbst die Tiere lernen, die Dunkelheit zu fürchten.

Die Alten meines Stammes sagten, ich sei unter dem Zeichen des Geisterwolfes geboren worden.
In jener Nacht soll ein weißer Wolf um das Langhaus meines Vaters geschlichen sein, lautlos wie ein Geist.
Er heulte dreimal zum Mond und verschwand im Wald.

Für mein Volk war dies ein Zeichen.

Für mich war es nur eine Geschichte.

Später erfuhr ich, das ich der Wolf war.

Als Kind wollte ich Krieger werden.

Ich wollte Ruhm.
Ich wollte Schlachten.
Ich wollte mit blutiger Axt an der Seite meines Stammes kämpfen und meinen Namen in die Knochen der Feinde ritzen.

Doch mein Vater wusste es besser.

Und die Ahnen ebenfalls.

Mein Vater war der Schamane der Balguren.
Ein ernster Mann mit grauen Augen, die stets wirkten, als würden sie Dinge sehen, die anderen verborgen blieben.
Die Menschen unseres Stammes kamen zu ihm mit Krankheiten, Träumen und Ängsten.

Und niemals irrte er sich.

Adrik wuchs an meiner Seite auf.
Der Sohn des Häuptlings.
Stark, laut und voller Feuer.
Während ich den Stimmen des Waldes lauschte, lernte er bereits früh den Umgang mit Schild und Speer.

Unsere Väter führten den Stamm gemeinsam.
Sein Vater herrschte über die Menschen.
Mein Vater sprach mit den Ahnen.

So war es seit Generationen.

Adrik war dazu bestimmt, Stammesherr zu werden.
Und ich…

Ich war dazu bestimmt, den Geistern zu dienen.

Doch als Junge hasste ich dieses Schicksal.

Ich erinnere mich an den Tag, an dem mein Vater mir die Wahrheit offenbarte.
Der Regen peitschte gegen das Langhaus, während er schweigend Kräuter zermahlte.

„Du wirst kein Krieger“, sagte er.

Diese Worte trafen mich härter als jede Axt.

Ich schrie ihn an.
Nannte ihn feige.
Sagte ihm, ich wolle kämpfen wie die anderen Männer.

Doch mein Vater blickte mich nur lange an.

Dann sprach er:
„Der Krieger schützt den Leib des Stammes.
Der Schamane schützt seine Seele.“

Damals verstand ich seine Worte nicht.

Erst viele Winter später begriff ich, wie schwer diese Bürde wirklich war.

Die Prüfung der Schamanen begann im ersten Schnee des Winters.

Noch heute verfolgen mich die Erinnerungen daran.

Tief unter dem Langhaus unseres Stammes lag die Ahnenhütte.
Ein Ort ohne Tageslicht.
Ein Ort voller Rauch, Knochen und Stimmen.

Die jungen Erwählten wurden dort eingesperrt.

Ohne Nahrung.
Ohne Wasser.

Nur die Luft strömte durch schmale Öffnungen hinein — schwer von verbrannten Kräutern und Pilzen, die den Geist öffneten und den Verstand zugleich an den Rand des Wahnsinns trieben.

Entlang der Wände saßen die Ahnen.

Nicht als Geister.

Sondern als Schrumpfköpfe.

Die Schädel vergangener Schamanen unseres Volkes hingen dicht an dicht in der Dunkelheit.
Leere Augenhöhlen beobachteten jeden Atemzug.
Ihre vertrockneten Lippen wirkten manchmal, als würden sie sich bewegen.

Man durfte die Hütte erst wieder verlassen, wenn eines von zwei Dingen geschah:

Entweder man starb.

Oder ein Ahne erwählte einen.

Viele zerbrachen dort unten.
Manche verhungerten.
Manche verloren den Verstand und begannen, sich selbst die Haut von den Armen zu reißen.
Und manche hörte man nachts schreien, obwohl ihre Münder längst verstummt waren.

Ich hatte Angst.

Mehr Angst als jemals später in meinem Leben.

Nicht vor Monstern.
Nicht vor Geistern.

Sondern davor, allein zu sein mit mir selbst.

Die ersten Tage vergingen wie ein Fiebertraum.
Der Rauch brannte in meinen Augen.
Die Stimmen der Ahnen krochen durch die Dunkelheit wie Würmer durch einen Leichnam.

Ich hörte Flüstern.
Lachen.
Weinen.

Und irgendwann begann ich, die Schrumpfköpfe sprechen zu hören.

Manche verspotteten mich.
Manche drohten mir.
Manche versuchten, mich in den Wahnsinn zu treiben.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort unten war.

Vielleicht Tage.
Vielleicht Wochen.

Dann erschien er.

Mein Großvater.

Nicht aus Fleisch und Blut.
Sondern als Geist zwischen Rauch und Schatten.

Sein Gesicht war von Narben gezeichnet wie ich es aus den Geschichten kannte.
Seine Augen leuchteten wie kaltes Mondlicht.

Er setzte sich schweigend vor mich.

Und plötzlich verstummten alle anderen Stimmen.

„Du kämpfst gegen dein Schicksal“, sagte er.

Ich wollte antworten, doch meine Lippen waren trocken wie Knochen.

„Du willst ein Krieger sein.“

Ich nickte.

Da lachte er leise.

„Ein Krieger führt eine Axt.
Ein Schamane trägt das Leid eines ganzen Stammes.“

Dann berührte er meine Stirn.

Und ich sah Dinge, die kein Kind sehen sollte.

Kriege.
Hungersnöte.
Geisterwelten.
Die Schatten hinter dem Himmel.

Als ich wieder erwachte, lag ich vor der Ahnenhütte im Schnee.

Mein Vater wartete bereits.

Er sah mich lange schweigend an.

Dann kniete er vor mir.

Nicht vor seinem Sohn.

Sondern vor dem neuen Schüler der Ahnen.

Und so begann mein Weg.

Nicht als Krieger.

Sondern als Braktar, Sohn des Rulkar.
Schamane der Balguren.

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Dieses war einer der der Wege, die ich nie dachte das ich sie gehen werde und wir werden sehen wo sie mich hinführen. 

Wie der Rote Vater mich rief

Es gibt Augenblicke im Leben eines Schamanen, die sich nicht erklären lassen.
Nicht mit Wissen.
Nicht mit Vernunft.
Nicht einmal mit den Stimmen der Ahnen.

Denn manche Wege werden nicht gewählt.

Man wird auf sie gezogen wie ein Blatt in den Strudel eines Flusses.

So begann mein Weg zum Roten Vater.

Damals wanderte ich bereits viele Jahre fern der Wälder von Balgurien.
Ich hatte Geister beschworen, Flüche gebrochen und Dinge gesehen, die Sterbliche besser niemals sehen sollten.

Und doch wusste ich nicht, dass mein wahrer Weg erst beginnen würde.

Es geschah in einer Nacht ohne Sterne.

Ich schlief am Rand eines alten Steinkreises.
Das Feuer war fast erloschen, und der Wind roch nach Regen.

Dann hörte ich Flügel.

Große Flügel.

Nicht in der Welt der Menschen — sondern irgendwo dahinter.

Als ich die Augen öffnete, war ich nicht länger in den Wäldern.

Ich stand in Aldradach.

Das Land der Drachen.

Selbst heute fehlen mir die Worte, diesen Ort richtig zu beschreiben.

Der Himmel Blau wie das Meer.
Die Wälder so finster wie die Nacht.
Und überall hört man das Donnern uralter Kreaturen, deren Stimmen älter sind als Königreiche.

In Aldradach herrschen die Drachen nicht gemeinsam.

Nein.

Jedes Jahr beginnt dort der Wettstreit das Fest der Drachen.

Die großen Drachen erheben Anspruch auf den Thron des kommenden Jahres und rufen Sterbliche als ihre Streiter.
Manche werden durch Träume gerufen.
Manche durch Feuerzeichen am Himmel.
Manche verschwinden einfach aus ihren Betten und erwachen wie ich in jenem fremden Land.

Dort kämpfen ihre Erwählten im Namen ihres Drachen.

Nicht nur mit Stahl.

Sondern mit Glauben.
Mit Mut.
Mit Opferbereitschaft.

Und jener Drache, dessen Streiter siegreich sind, herrscht für ein ganzes Jahr über ihre Welt.

Viele Drachen riefen Krieger.
Magier,
Mörder,
Fanatiker,

Doch mich…

…mich rief der Rote Drache.

Ich erinnere mich noch an seinen ersten Blick.

Seine Schuppen glühten wie geschmolzenes Eisen.
Seine Augen waren tief wie uralte Feuergruben.
Und seine Stimme bebte durch meine Knochen wie Donner.

„Braktar, Sohn des Rulkar.“

Als er meinen Namen sprach, knieten selbst die Geister in mir nieder doch wir blieben stehen den Balguren kniehen nicht Niemand beugt uns, doch er hätte es fasst geschafft.

Viele Jahre rief er mich zum Fest der Drachen und ich kämpfte ich für ihn.

Nicht aus Zwang.

Sondern weil ich in seiner Gegenwart etwas erkannte, das ich nicht erwartet hatte.

Einen Ahnen.

Nicht aus Fleisch.
Nicht aus dem Stamm der Menschen.

Aber dennoch etwas Verwandtes.

Der Rote Drache sprach wie die alten Geister meines Volkes.
Er kannte die Namen längst verstorbener Schamanen.
Er wusste Dinge über die Balguren, die niemand außerhalb unseres Stammes wissen konnte.

Und eines Nachts offenbarte er mir die Wahrheit.

„Der erste Geisterwolf eures Stammes“, sagte er, „trank einst von meiner Flamme.“

Da verstand ich.

Der Rote Vater war kein fremdes Wesen.

Er war Teil unserer Geschichte.

Teil unseres Blutes.

Vielleicht ein Gott.
Vielleicht ein Ahne.
Vielleicht etwas dazwischen.

Von da an diente ich ihm nicht nur als Streiter.

Sondern als Schamane.

Ich sprach mit seinen Flammen.
Deutete Visionen in der Glut seiner Altäre.
Und führte jene, die seinem Ruf folgten.

So führte mich mein Weg schließlich zur Roten Kirche.

Ein seltsamer Ort für einen Mann wie mich.

Steinerne Hallen voller Priester in roten Gewändern.
Gesänge statt Trommeln.
Weihrauch statt Kräuterrauch.

Und doch brannte dort dieselbe Wahrheit wie in den Feuern meiner Ahnen.

Viele misstrauten mir.

Ein Wilder aus Balgurien.
Ein Geistersprecher unter gelehrten Priestern.

Doch der Rote Vater hatte mich gerufen.

Und sein Wille steht über dem Zweifel der Menschen.

So wurde ich der erste Schamane der Roten Kirche.

Ein Mann zwischen zwei Welten.

Zwischen Ahnen und Drachen.
Zwischen Geistern und Priestern.
Zwischen Waldfeuern und Kathedralen.

Manche nennen mich Ketzer.
Manche Prophet.
Manche Narr.

Vielleicht bin ich von allem etwas.

Doch wenn nachts die roten Flammen tanzen und ich den Atem des Roten Vaters im Wind höre, dann weiß ich:

Mein Weg begann nicht an jenem Abend in Aldradach.

Er begann lange zuvor.

In den dunklen Wäldern von Balgurien.
Unter den Augen der Ahnen.
Unter dem Zeichen des Geisterwolfes.

Denn manche Schicksale brennen bereits, lange bevor ein Mensch geboren wird.

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